Freikirchen

WikipediaGemeindeverzeichnis

Homepages einzelner Freikirchen-Bünde:
(Für Ergänzungen sind wir dankbar, bitte Feedback-Formular verwenden.)

Der Begriff Freikirche bezeichnete ursprünglich eine christliche Kirche, die – im Gegensatz zu einer Staatskirche – vom Staat unabhängig war. Infolge der mittlerweile in Europa überwiegend vollzogenen Trennung von Religion und Staat lässt sich der Begriff nicht mehr so eindeutig fassen. Er wird dazu verwendet, eine bestimmte Kirche gegenüber Volkskirchen abzugrenzen. Dabei wird das Attribut „frei“ unterschiedlich verstanden, etwa im Sinne von freiwilliger Zugehörigkeit, organisatorischer Unabhängigkeit, Zugehörigkeit zu einer Minderheit oder als Hinweis auf eine bestimmte theologische Einstellung.

Im deutschsprachigen Raum sind die meisten Freikirchen als evangelikal einzustufen. In theologischer Hinsicht gibt es jedoch ein breites Spektrum, das von fundamentalistisch bis liberal reicht.

Bis 1997 gab es für Freikirchen in Österreich keine Möglichkeit, Rechtspersönlichkeit zu erlangen. Das österreichische Vereinsgesetz untersagt ausdrücklich die Organisation einer Kirche als Verein, und bis 1997 gab es keine bindenden Anerkennungs-Kriterien, und das Kultusministerium blockte alle Ansuchen um Anerkennung ab. Deshalb hatten Freikirchen lediglich die Möglichkeit, einen Hilfsverein zu unterhalten, der das Eigentum bzw den Mietvertrag an den Versammlungslokalen hält und z. B. Pastoren anstellt. Seit 1997 gibt es den eigenen Status einer staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaft, der zusammen mit dem Status der staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft in Österreich eine rechtliche “Zweiklassengesellschaft” der Religionsgemeinschaften etabliert hat.
Einige Freikirchen haben diesen Status beantragt und ab 1998 auch erlangt. Die dann seit 2007/2008 neuerlichen Anstrengungen, die volle Anerkennung zu erlangen, führten schließlich 2012 zu einem Zusammenschluß von zunächst vier freikirchlichen Bünden, zu denen später ein weiterer stieß. Dieser Zusammenschluß, “Freikirchen in Österreich”, beantragte Anfang 2013 die staatliche Anerkennung als Kirche, und diesem Antrag wurde im August stattgegeben; das Anerkennungsdekret wurde am 26. August 2013 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und damit rechtswirksam. Die Euphorie über diese Errungenschaft sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß wir in Österreich immer noch eine religiöse “Dreiklassengesellschaft” haben, die dem Verfassungsgrundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz widerspricht, sowie eine Regierungsbehörde (Kultusamt im Unterrichtsministerium) welche sich anmaßt, die theologische Einzigartigkeit (und damit die Existenzberechtigung) von Kirchen und anderen Glaubensgemeinschaften zu beurteilen, was eine eklatante Verletzung der Trennung von Kirche und Staat darstellt.

Es ist zu erwarten, daß, so wie die Zeugen Jehovas, auch einzelne weitere christliche Freikirchen versuchen werden, durch eine Klage vor europäischen Instanzen die staatliche Anerkennung durchzusetzen; ich wünsche dabei viel Erfolg.

Quelle: Wikipedia (modifiziert)